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Vollstreckungsauftrag mit Vermögenauskunft und Drittauskünften

Hallo liebe „Mitvollstrecker“, nachdem es (bislang) noch keinen Formularzwang gibt und ich mit dem Ergebnis unserer Vorschläge über die EDV nicht ganz glücklich bin, habe ich mir einen eigenen ZV-Auftrag mit den Bestimmungen des 802 l ZPO selber formuliert:

„Abs.:

Datum:

An die Verteilungsstelle

für Gerichtsvollzieheraufträge

bei dem Amtsgericht

 

Pfändungsauftrag/Antrag auf Vermögensauskunft/Antrag auf Drittauskünfte

  

In der Zwangsvollstreckungssache

-Gläubiger/in-

Prozessbevollmächtigte:

gegen

                                                                                               -Schuldner/in-

Nach dem Vollstreckungstitel

            …..

stehen dem Gläubiger, die gemäß nachstehender Berechnung, aufgeführten Ansprüche zu:

Hauptforderung                                                                                €

…%Zinsen (über dem Basiszins)seit                        bis                   €

vorgerichtliche Mahnkosten                                                             €

Kosten des gerichtlichen Verfahrens                                               €

5% Zinsen über dem Basiszins seit                          bis                   €

Kosten früher Vollstreckungsmaßnahmen

Anwalt                                                                                                  €

Gericht/Gerichtsvollzieher                                                              €                     

ergibt:

abzüglich geleistete Zahlungen                                                      €                     

ergibt/verbleibt:                                                                         €                     

zuzüglich fortlaufender Zinsen ab

Wegen dieser Forderung sowie der Kosten für diesen Antrag und der weiterhin anfallenden Zinsen beauftragen wir Sie mit der

Zwangsvollstreckung in das bewegliche Vermögen des Schuldners.

 1.Es wird beantragt:

gegebenenfalls das Geburtsdatum des Schuldners zu ermitteln sowie,

falls verzogen durch Nachfrage bei der Meldebehörde hinsichtlich der gegenwärtigen Anschriften (Haupt- und Nebenwohnung) entsprechend den Ausführungen im  § 755 ZPO nachzufragen

die unter Eigentumsvorbehalt gekauften und gelieferten Sachen zu pfänden, § 811 Abs.1 Nr.1,4, 5-7 ZPO;

die Pfändung und Verwertung körperlicher Sachen;

die Pfändung von Forderungen aus Wechseln und anderen Papieren, die durch Indossament übertragen werden können;

    gegebenenfalls die Taschen- bzw. Kassenpfändung vorzunehmen;

den Arbeitgeber, sonstige Ansprüche und Vermögenswerte, insbesondere Ansprüche gegenüber dem Arbeitsamt, Krankenkasse, Rentenversicherungsträger, Banken, Lebensversicherungen im Fall erfolgloser oder unzureichender Pfändung festzustellen;

eine Vorpfändungsbenachrichtigung gemäß §§ 802a Abs.2 Nr.5 i.V.m. 845 Abs.1 ZPO zu erlassen und zuzustellen, sofern Ansprüche des Schuldners gegen Dritte bekannt werden und eine sofortige Beschlagnahme geboten erscheint.

Falls bereits eine vorrangig wirksame Pfändung in einem Vermögensgegenstand vorliegt, wird beantragt, die Anschlusspfändung durchzuführen, § 826 ZPO;

bloße Zahlungszusagen oder Scheckzahlungen nach pflichtgemäßem Ermessen zu akzeptieren oder trotzdem sofort zu pfänden;

keine Einstellung gemäß § 63 GVGA vorzunehmen, es sei denn, dass der Schuldner amtsbekannt ohne Arbeit ist.

 Falls der Schuldner angemessene Ratenzahlungen anbietet, besteht Einverständnis, dass der jeweilige Versteigerungstermin nach dem Ermessen des Gerichtsvollziehers verlegt wird.

Mit der Einziehung von Teilbeträgen besteht, sofern  die Forderung innerhalb des Zeitraumes aus § 802b Abs.2 ZPO getilgt wird, Einverständnis. Es wird um unverzügliche Unterrichtung über einen eventuellen Zahlungsplan und Vollstreckungsaufschub gem. § 802b Abs.3 Satz 1 ZPO gebeten.

Teilzahlungen werden genehmigt soweit diese nicht Bestandteil eines Zahlungsplans i.S.v. § 754 Abs. 1 Satz 2 ZPO sind.

 

Falls der Schuldner den Zutritt zu seiner Wohnung sowie der Arbeits-, Betriebs- oder Geschäftsräume nicht gestattet bzw. wenn der Schuldner, auch bei mehrfach erfolgter Ankündigung nicht angetroffen wird, so bitten wir um einen Vermerk im Protokoll.

Zahlungen sind ausschließlich an den Antragsteller zu leisten und Nachnahmen nur dort zu erheben. Um Übersendung eines vollständigen Pfändungsprotokolls, auch bei amtsbekannter Vermögenslosigkeit des Schuldners  wird gebeten.

 Anwaltskosten (Streitwert:)

0,30 Gebührensatz                          gem. Nr. 3309 VV RVG              EUR

Auslagen                                          gem. Nr. 7002 VV RVG              EUR

Mehrwertsteuer 0,00%                    gem. Nr. 7008 VV RVG              EUR                        

Kosten insgesamt                                                                             EUR                        

Gesamtforderung                                                                              EUR                        

2.

Sollte die Pfändung zu 1 ohne Erfolg sein oder sich keine Vollstreckungsmöglichkeiten ergeben wird

 im Rahmen der §§ 802c ZPO beantragt dem Schuldner

 die Vermögensauskunft sofort abzunehmen und eine Abschrift des Vermögensverzeichnisses in elektronischer Form (z.B. per Email) zuzuleiten,

Sofern der Schuldner bereits innerhalb der letzten zwei Jahre die Vermögensauskunft abgegeben hat, wird nur um Übersendung eines Abdruckes des Vermögensverzeichnisses des Schuldners gebeten.

Falls die Schuldnerin die Abgabe der Vermögensauskunft grundlos verweigert, oder dem Termin unentschuldigt fernbleibt, wird beantragt, die Akte dem zuständigen Vollstreckungsgericht mit dem Antrag zuzuleiten, gegen die Schuldnerin  Haftbefehl zu erlassen nach § 802 g ZPO. Der Antrag gilt auch für den Fall, dass in einem anderen Verfahren bereits Haftbefehl erlassen wurde.

3.

Falls der Schuldner die Abgabe der Vermögensauskunft grundlos verweigert, oder ist bei einer Vollstreckung in die dort aufgeführten Vermögensgegenstände eine vollständige Befriedigung des Gläubigers voraussichtlich nicht zu erwarten, oder er dem Termin unentschuldigt fernbleibt, wird zusätzlich gem. § 802 l ZPO der Auftrag erteilt

 die Einholung von Drittauskünften

  •  bei den Trägern der Gesetzlichen Rentenversicherungen,
  • beim Bundeszentralamt für Steuern sowie
  • beim Kraftfahrbundesamt

 

 zu veranlassen.

 Im Falle der Abnahme/Einleitung des Verfahrens zur Vermögensauskunft/Sachaufklärung kommen folgende Kosten hinzu:

 

Anwaltskosten (Streitwert: €)
0,30 Verfahrensgebühr in der Zwangsvollstreckung gem. Nr. 3309 VV. RVG  €
Auslagen gem. Nr. 7002 VV. RVG  €
Umsatzsteuer 0,00% gem. Nr. 7008 VV. RVG  €
Kosten des Prozessbevollmächtigten insgesamt  €

 

Die Gerichtsvollzieherkosten können per Lastschrift über eines der genannten Konten des Unterzeichners eingezogen werden.

 

 

Mit freundlichen Grüßen“

Ich selbst lasse zwischenzeitlich meist den Auskunftsanspruch bezüglich dem Kraftfahrtbundesamt weg, da ich die Auskünfte bislang noch nie verwenden konnte. Ich wünsche euch viel Erfolg!

Gruß Jutta Hurt

 

 

 

 

Es geht nichts über einen „guten“ Nachbarn

Heute will ich mal über einen Vorgang erzählen, der zunächst aussichtslos erschien. Wie gewöhnlich wurde, nachdem dem Gläubiger für die geschuldete Ware kein Geld bezahlt wurde, das Mahnverfahren in die Wege geleitet. Nach Vorlage des Vollstreckungsbescheids habe ich den zuständigen Gerichtsvollzieher mit der zwangsweisen Beitreibung beauftragt.

Daraufhin hat sich der Schuldner gemeldet und wollte Raten bezahlen. Leider hat er sich nicht an sein Versprechen gehalten. Also wurde durch den Gerichtsvollzieher die Vollstreckung fortgesetzt. Nachdem nichts pfändbares zu holen war, hat der Schuldner das Vermögensverzeichnis abgegeben.

Aus dem vorliegenden Vermögensverzeichnis hat sich leider nichts ergeben, er hatte keine Vermögenswerte; sein Ein-Mann-Betrieb hat im Monat nur ca. 1200,00 € abgeworfen. Seine Frau ging nicht arbeiten; er besaß zwar ein Haus, welches allerdings mit einer Grundschuld zu Lasten einer Bank somit "wertlos" für uns war. Ein Fahrzeug hatte er nicht, eine Kontoverbindung hatte er nicht und aktuelle Aufträge lagen ebenfalls nicht vor.

Ich habe daraufhin versucht den Schuldner anzurufen. Zu Hause ging niemand ans Telefon, eine aktuelle Handy-Nummer hatte ich nicht. Im Telefonbuch war keine Handy-Nummer verzeichnet.

So schnell wollte ich mich allerdings nicht geschlagen geben; ich habe kurzerhand in der Nachbarschaft rumtelefoniert. Einer Nachbarin, die ich erreicht habe, habe ich "vorgejammert" dass ich den Schuldner dringend erreichen müsste. Natürlich hatte ich mich mit Anwaltsbüro gemeldet und ihr auch gesagt, dass ich leider zu Hause niemand erreicht hätte.

Die nette Nachbarin meinte, das wäre klar, die sind gerade mit dem Auto (!!!!) weggefahren. Sie hat mir, unter dem Siegel der Verschwiegenheit, also dass ich sie ja nicht verrate, die Handy-Nummer des Nachbarn gegeben.

Daraufhin habe ich sofort auf der Handy-Nummer angerufen. Seine Frau ging an den Apparat. Sie meinte, ihr Mann könne gerade nicht ans Telefon gehen. Ich habe erwidert, dass mir das schon klar ist, schließlich müsse er ja Auto fahren! Eine längere Pause trat ein. Wahrscheinlich hat sie sich umgeschaut, ob sie verfolgt wird. Ich habe sie gebeten, ihrem Mann auszurichten, dass, sollte er nicht gerade auf dem Weg zur Bank sein um die versprochene Rate einzubezahlen, er dies unverzüglich tun sollte. Soweit kein Geldeingang in den nächsten drei Tagen bei uns zu verbuchen wäre, würde ich den Gerichtsvollzieher umgehend mit der Pfändung des offensichtlich beim Vermögensverzeichnis verschwiegenen Fahrzeugs beauftragen. Außerdem würde ich mir vorbehalten ihn wegen falscher Angaben im Vermögensverzeichnis anzuzeigen…

Na ja, was soll ich sagen, es hat geklappt. Tatsächlich keine drei Tage später war das Geld da und der Schuldner hat weiterhin seine monatlichen Raten, bis zur vollständigen Bezahlung des Gesamtbetrages, geleistet.